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10. Juni 2011 5 10 /06 /Juni /2011 12:41

Ein Kollege der Libyen bombardierenden französischen Flieger ist Antoine Marie Roger Vicomte de Saint-Exupéry, französischer Schriftsteller und Flieger, der im Zweiten Weltkrieg nach einem Erkundungsflug plötzlich verschwand, später hat man festgestellt, daß er vor Marseille von einem deutschen Bomber abgeschossen wurde. Sein bekanntestes Werk ist ein Märchen für Kinder und Erwachsene, "Der Kleine Prinz". Mit diesem Kämpfer gegen den deutschen Faschismus, beschäftigt sich ein wunderbarer Text, den ich hier versucht habe, aus dem Russischen zu übersetzen. (wer Fehler findet, der verbessere sie bitte)

Originalüberschrift:

Libyen. « Es wird die Stunde Deines Lächelns, Du Kleiner, anbrechen!»

http://gidepark.ru/community/1882/article/358498

 

Aus dem Brief für einen libyschen Jungen …

 

Wieder schläfst Du, der Kleine diese Nacht und wieder … nicht

Du lauschst: «Bestimmt werden sie wieder über uns fliegen»?

 

Heute bist Du wieder nicht zur Schule gegangen. Sie haben sie am 7 Juni, am Geburtstag des von Dir sehr verehrten Menschen, zerbombt. Du bewahrst sein Porträt neben den Fotografien Deiner Eltern auf.

Heute bist Du wieder nicht zum Kinderzentrum gegangen. Sie haben es schon vor einem Monat in Ruinen umgewandelt. Als sie Tripolis, deine Heimatstadt … wieder einmal bombardierten

 

Ich erinnere mich, wie ich mit anderen Journalisten aus Russland, Frankreich, England, Amerika an jenem Tag nach dem Bombenangriff zu Dir gekommen bin. Du zeigtest mir die Zeichnungen Deiner Genossen, die halbverbrannten, beschmutzt von der grauen Asche. Und nebenan hat das Mädchen gefragt: «Why bombs?» Ich habe nichts geantwortet.

  

An jenem Tag zeichnetest du überhaupt nichts: weder die Blumen, noch die Landschaften oder die Tiere … Ich weiß, heute hast Du wieder den Krieg gezeichnet.

 

Du bist schon wie ein Erwachsener. Du verstehst alles. Du verstehst, dass es Europa im Norden gibt, und in Europa gibt es die bösen Onkel. Diese Onkel haben entschieden, dass Du anders leben sollst. Deshalb haben sie Flugzeuge geschickt. Und haben auch Deine Schule … zerbombt

 

Ich sehe, du zeichnest das Flugzeug. Und schon sieht man die Linien der Kabine. Und in ihr … wer ist in ihr? Du hast … nachgedacht

 

Dann, an jenem Tag hast du mich gefragt: «Wer sind sie? Solche Menschen, wie wir auch? Und haben sie auch Kinder? Und die Kinder zeichnen den Krieg auch?»

 

Ich habe nur auf die letzte Frage geantwortet: «Kinder zeichnen den Krieg nicht».

 

Und du hast mich beim Worte genommen. «Wir – sind keine Kinder?» - Hast du gefragt. Aber ich bin Reporter, ich habe etwas gefunden, was ich sagen konnte, um Dich nicht zu kränken:

 

- Du bist in diesen drei Monaten drei Jahre älter …Du bist erwachsen geworden.

 

- Und Du warst Flieger?

 

- Beinahe. Als ich jung war, diente ich in der algerischen Luftwaffe als russischer Übersetzer.

 

- Und sind die Algerier mutig?

 

- Ja, wie die Libyer.

 

- Wenn ich wachsen werde, werde ich auch Flieger!

 

Es ist eine Pause eingetreten.

 

Ich habe den Kopf geschüttelt.

 

Du hast alles verstanden. Du hast gesagt:

 

- Ich muß es rächen! Und Du bist nicht mein Freund, wenn Du mir das Flugzeug nicht geben wirst. Wenn ich erwachsen werde!

 

Ich sah das zerstörte Gebäude und auf die auseinandergeworfenen Kinderbücher. Darauf, was von den Büchern blieb. Eins war auf dem Französischen: Antoine de Saint-Exupéry. «Der kleine Prinz».

Ich wollte es fotografieren.

 

Mein begleitender Salem hat mich gehindert, dieses Bild zu machen: «Später werden sie sagen, dass wir selbst die französischen Bücher verbrannt haben. Dass wir Barbaren sind!»

 

Du sahst, mein Kleiner, auch die umgestürzten Wände, die die Bücher noch gestern hielten. Dort waren solche schönen Illustrationen.

 

Ich habe … die Blumen fotografiert. Die Geranie, durch ein Wunder heil geblieben. Unter der Asche und den Spuren der Brandstätte.

 

Du hast gefragt: «Und haben sie auch Blumen ?

 

- In vielen Farben.

 

- Und haben sie Schulen?

 

- Ja.

 

Und ich habe gelächelt, als ich mich an die schönen Landschaften Frankreichs … erinnerte

 

Du hast nicht gelächelt. Du hast noch mehr nachgedacht. Und ich habe verstanden, worüber. Wenn Du nach dem Norden fliegen wirst, so wird es dann auch dort keine Farben oder Schulen … mehr geben.

 

Und Du hast zu mir gesagt: «Ich werde kein Flieger!»

 

Warum beschreibe ich dies alles hier?

 

Weil ich Reporter bin., weil ich heimgekehrt bin in mein Haus auch im Norden. Ich erzählte viel über Dich und über Dein schönes Land. Das man die „Libysche Dschamachirija“.nennt.

 

Erzählte über die fremden Bombenangriffe und Deine schlaflosen Nächte. Die russischen Menschen seufzten, und die Frauen wischten die Tränen … heimlich ab

 

Und wenn ich Zeit hatte, bin ich in der häuslichen Bibliothek habe die Bücher von Antoine de Saint-Exupéry gesucht. Doch was ich Dir nicht gesagt habe, es ist nicht dazugekommen: Er war auch Militärflieger und ist umgekommen, für ein freies Frankreich kämpfend. Und zusammen mit ihm kämpften, sowohl im Himmel, als auch auf der Erde und im Meer, die Algerier, die Tuniser, die Libyer … Kämpften für die Freiheit und kamen …  in Afrika und in Europa … um.

 

Für Dich und für mich. Damit wir lebten!

 

Es wird der Tag kommen und Du wirst mir die einzige Frage stellen. Ich weiß es, weil diese Frage auch in mir ist. Wie im Feuer des brennenden Tripolis erhitztes Eisen. Diese Frage läßt mich in Moskau nicht schlafen.

 

- Warum hast Du es zugelassen?

 

Und mit ehrlichen Worten werde ich darauf antworten. Aber nicht jetzt.

 

Ich muss noch viel für Dein Land machen.

 

Ich dir will die Wörter Antoine de Saint-Exupérys zitieren, er schrieb über Afrika häufig:

 

«Jedes Sternchen bedeutete, dass unter der Nacht dort unten die Menschen dachten, lasen, führten die offenen Gespräche. Jedes Sternchen, wie die Signallaterne, zeugte: hier wacht die menschliche Vernunft. Dort, kann sein, überlegten sie über das Glück der Menschen, über die Gerechtigkeit, über die Welt. Und dieser Stern, der in der Herde anderer verloren ist, ist der Stern des Hirten. Hier stellten sie vielleicht die Verbindung mit den Himmelskörpern est, zerbrachen sich den Kopf, den Andromeda-Nebel ausrechnend. Und dort liebten sie einander. Überall brannten im Tal diese Feuer, und allen diesen brauchten sie Nahrung, sogar den Bescheidensten. Das Flämmchen des Dichters, des Lehrers, des Zimmermannes. Aber unter diesen lebendigen Sternchen, sind wieviel geschlossene Fenster, wieviel gestorbene Sterne, wievile Menschen, die schlafen und wieviel Feuer, die kein Licht mehr geben, weil man sich mit ihnen nicht mehr ernähren kann.".

 

Ich werde Dir seine Bücher aus dem Französischen bringen. Ich will, dass Du das Französische erlernen wirst., weil Du Dich früher oder später mit den Franzosen treffen wirst. Kann sein, sogar mit den Fliegern, die Dich bombardierten. Die Gannibala, Saifa und und die kleine Masturu getötet haben.

 

Am 8. Juni haben wir in Moskau den traurigen vierzigsten Tag ihres Niederganges festgestellt.

 

Es wird ein anderer Tag kommen, und auch die Franzosen, wie auch ich, werden auf Deine Fragen … antworten. Um es  mit den Worten französischen Fliegers Antoine de Saint-Exupéry:

 zu sagen

«Ich brauche Dich und ich bin mir ganz sicher: es wird die Stunde jenes Lächelns noch anbrechen,. ich muss Dir helfen, zu leben. Ich sehe Dich - Du so bist schwach, Dich bedrohen soviel Gefahren …»

 

Ich unterstreiche jedes seiner Worte. Ich muss Dir helfen, standzuhalten! Die bösen Onkels zu besiegen! Und zu leben!

 

Und ich glaube auch, Du Kleiner: Es wird die Stunde Deines Lächelns, anbrechen!

 

Nikolaj Sologubowski, Tripolis-Moskau, am 9. Juni.

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Published by tigerpantherin
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