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9. April 2011 6 09 /04 /April /2011 15:55

Dieser Artikel ist von Patrick Martin http://www.wsws.org/articles/2011/apr2011/liby-a04.shtml, die Übersetzung aus dem Englischen ist von Heinz Eckel. Patrick Martin schreibt für die “World Socialist Website” (wsws.org), seine Artikel sind aber auch schon bei „Global Research“ http://www.globalresearch.ca/ (Direktor Prof. Michel Evgenij Chossudovsky) erschienen.

Beweise für Verbindungen der CIA zu libyschen Rebellen nehmen zu

Patrick Martin, 4. April 2011

Zahlreiche Presseberichte vom Wochenende (des 2. / 3. 4. 2011, Anm. d. Übers.) vermehren die Anhaltspunkte, dass die libyschen Rebellen, die das Regime von Muammar Gaddafi bekämpfen, unter der Leitung amerikanischer Geheimdienste stehen. Trotz der wiederholten Behauptungen von Vertretern der Obama-Administration, die Rebellen stellten eine weitgehend unbekannte Größe dar, wird zunehmend deutlich, dass maßgebliche militärische Führer des Anti-Gaddafi-Feldzugs der US-Regierung gut bekannt sind und langdauernde Beziehungen zur CIA haben.

Über mehr als zwei Wochen gab es in den US-Medien ein virtuelles Verbot, den Namen des langjährigen CIA-Kollaborateurs Khalifa Haftar zu erwähnen, der am 17. März, dem Vorabend des US-NATO-Bombenfeldzugs gegen Libyen, zum Chefkommandanten der Rebellen ernannt wurde. Lediglich die regionale McClatchy-Zeitungsgruppe berichtete über Haftas Ernennung, und ABC News brachte am 27. März ein kurzes Interview mit ihm. Ansonsten herrschte Schweigen.

Diese faktische Zensur endete abrupt am 1. April, als ein rechtsgerichteter US-Thinktank, die Jamestown Foundation, eine umfangreiche Studie zu Haftars Hintergrund und Vorgeschichte veröffentlichte, die ausführlich von  Reuters news service  und anschließend noch weitergehend in den US- und britischen Medien zitiert wurde.

Der Bericht der Jamestown Foundation erklärte: "Wenn Colonel Haftar heute auf die Schlachtfelder Nordafrikas zurückkehrt, mit dem Ziel, Gaddafi, seinen Mitverschwörer in Libyens Staatsstreich von 1969, zu stürzen, kann er als bester Verbindungsmann für die Vereinigten Staaten und die alliierten NATO-Streitkräfte im Umgang mit Libyens undisziplinierten Rebellen gelten".

Die Jamestown-Studie wies auf Haftars Rolle bei der Organisierung der Libyschen Nationalarmee (LNA) hin, die er "am 21. Juni 1988 mit starker Unterstützung der Central Intelligence Agency (CIA) gründete, und zitiert ein 1991 mit ihm "in einem LNA-Camp im ländlichen Virginia geführtes" Interview. Die CIA förderte und bezahlte die LNA nicht nur, sie bewerkstelligte auch die Einreise von LNA-Offizieren und -Angehörigen in die Vereinigten Staaten, wo sie ein Trainingscamp einrichteten.

Reuters fügte - unter Verwendung einer anderen Schreibweise des Namens - hinzu, dass sie "wiederholt wegen eines Interviews mit Heftar nachgefragt" hätten, er aber nicht sofort kontaktiert werden konnte. Die Nachrichtenagentur ergänzte: "Die CIA lehnte eine Erklärung" über ihre Beziehung zum früheren libyschen Militärführer "ab".

Andere Hinweise zu Haftars Rolle erschienen im  Online-Blog des Magazins "The New Yorker" , in Africa Confidential,   beim National Public Radio, in der britischen Tageszeitung Guardian und im Independent on Sunday, einer weiteren britischen Zeitung.

Die Kolumne des Independent beschrieb - unter der Überschrift: "Die zweifelhaften Männer, die vom Westen unterstützt werden, um Gaddafi zu stürzen" - die Rebellen-Kommandanten wie folgt: "Die Karrieren einiger von ihnen lassen sie wie Charaktere aus den eher unheilverkündenden Novellen von Graham Greene erscheinen. Sie umfassen solche Männer wie Colonel Khalifa Haftar, ehemaliger Kommandant der libyschen Armee im Tschad, der 1988 gefangengenommen wurde und die Seiten wechselte, wonach er dann die gegen Gaddafi gerichtete Libysche Nationalarmee aufbaute, angeblich mit Unterstützung der CIA und Saudiarabiens. Während der letzten 20 Jahre lebte er unauffällig in Virginia, bevor er nach Bengazi zurückkehrte, um den Kampf gegen Gaddafi anzuführen".

Schließlich brachte die Sonntagsausgabe der Washington Post verschiedene Hinweise auf Haftar, einschließlich eines Artikels auf der Titelseite, der die  Spaltungen innerhalb der militärischen Führung der Rebellen herausarbeitet. "Khalifa Haftar, ein ehemaliger Armeeoberst, der vor kurzem nach Libyen zurückkehrte, nachdem er viele Jahre in Falls Church gelebt hatte,  wurde zunächst vom Nationalen Übergangsrat freudig begrüßt - als ein Führer, der dabei helfen könnte, die neue Armee zu disziplinieren und ihre weitgehend freiwilligen Mitglieder zu trainieren" schrieb die Washington Post-Reporterin Tara Bahrampour.

Sie zitierte dann den Nationalen Übergangsrat und Sprecher des Rebellenmilitärs mit sich widersprechenden Angaben; die eine sagte aus, er sei aus der Führung entfernt worden, die andere, er behalte die Kontrolle über das Militär. Ein Sprecher des Nationalen Übergangsrats, der gebeten wurde, diesen Widerspruchs angesichts seiner früheren Ankündigung der Ernennung Haftars zu erklären, sagte: "Das ist heute  die Position des Rats. Die Lage ist  fliessend.... Die politischen Standpunkte ändern sich häufig".

Walter Pincus, der langjährige Reporter der Washington Post zu Geheimdienstaktivitäten und selbst CIA-Informant innerhalb der Nationalen Studentenvereinigung, beschrieb Haftar als einen "ehemaligen libyschen Armeeoberst, der über Jahre hinweg die Libysche Nationalarmee (LNA), eine Anti-Gaddafi-Gruppe, befehligte". Der Artikel erklärte, Haftar hätte "die LNA aufgebaut, angeblich mit Unterstützung der CIA und von saudischen Elementen". Er fuhr fort: "1996 wurde über ihn berichtet, hinter einem angeblichen Aufstand in Ost-Libyen gestanden zu haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich bereits mit seiner Familie in Falls Church niedergelassen".

Pincus zufolge "sagte ein hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter", der über die Verbindung des libyschen Befehlshabers zur CIA befragt wurde, "dass es ein Grundsatz war, solche Angelegenheiten nicht zu erörtern".

Die informelle Gedächtnisstörung bezüglich Haftars Identität und seiner CIA-Verbindungen besteht bei den amerikanischen Fernsehketten und auf den Seiten der New York Times fort - letztere ist eine Zeitung, die offen ihre Unterwerfung unter den US-amerikanischen Militär- und Geheimdienstapparat zugibt. Aber die Bedeutung der Presseberichte vom Wochenende ist unmissverständlich: die libysche Rebellenarmee ist nicht das unabhängige Organ eines Volksaufstands gegen die Gaddafi-Diktatur, sonder eher die Schöpfung des amerikanischen Imperialismus, der reaktionärsten politischen Kraft auf dem Planeten.

Der zweifelhafte Charakter der libyschen Rebellen wurde ferner in einer vom Wall Street Journal am Samstag herausgebrachten, bemerkenswerten Beschreibung von drei Libyern unterstrichen, die mit Osama Bin Laden in Afghanistan gekämpft hatten und jetzt eine bedeutende Rolle bei den militärischen Bemühungen der Rebellen spielten. Zwei der drei befanden sich als angebliche Al Kaida-Kämpfer in US-Gewahrsam, einer verbrachte sechs Jahre in Guantanamo Bay, bevor er 2007 an das Gaddafi-Regime übergeben wurde. Bei den dreien handelt es sich um:

 - Abdel Hakim al-Hasady, der als "ein einflussreicher islamischer Prediger und Hochschullehrer, der fünf Jahre in einem Trainingscamp im östlichen Afghanistan verbrachte" beschrieben wird und jetzt " die Rekrutierung, das Training und den Einsatz von ungefähr 300 Rebellenkämpfern aus Darna" (einer Stadt in Ost-Libyen) "betreut"

- Salah al-Barrani, "ein ehemaliger Kämpfer der Libyschen Islamischen Kampfgruppe oder LIFG", der Hasadys Befehlshaber im Kampfgebiet ist

 - Sufyan Ben Qumu, "ein libyscher Armeeveteran, der für Osama Bin Ladens Holding-Gesellschaft im Sudan und später für einen mit Al Kaida verbundenen Wohlfahrtsverband in Afghanistan arbeitete", und der "viele der Rebellen-Rekruten der Stadt trainiert".

Hassady und Ben Qumu wurden von pakistanischen Sicherheitskräften nach der US-Invasion in Afghanistan 2001 verhaftet und an die USA ausgeliefert. Hasady wurde zwei Monate später in libyschen Gewahrsam überstellt, während Ben Qumu nach Guantanamo gebracht und dort bis 2007 festgehalten wurde, wonach er dann ebenfalls in ein libysches Gefängnis geschickt wurde. Das Gaddafi-Regime ließ beide Männer 2008 frei, zu einer Zeit, als die Zusammenarbeit zwischen den USA und Libyen im "Krieg gegen den Terror" auf ihrem Höhepunkt war. Eine derartige Aktion dürfte mit Sicherheit mit Washington abgestimmt worden sein.

Der ehemalige Al Kaida-Kämpfer war sehr bereit, gegenüber der führenden US-Wirtschaftszeitung auszusagen, welche berichtete: "Seine Redeweise ist in drastischer Weise amerikafreundlicher geworden". Er sagte dem Journal: "Wenn wir die Amerikaner zu 100 Prozent gehasst haben, dann sind es heute weniger als 50 Prozent. Sie haben begonnen, sich hinsichtlich ihrer Fehler in der Vergangenheit zu rehabilitieren....".

Ob diese Individuen Al Kaida-Kämpfer sind, die von ihren US-amerikanischen Kidnappern "umgedreht" wurden, oder ob sie einfach unter veränderten Bedingungen die Gefolgschaft gewechselt haben, ist unklar. Aber ihre Rolle in der libyschen Opposition untergräbt weiter die langdauernde Propaganda der US-Regierung hinsichtlich der angeblich unüberbrückbaren Kluft zwischen Al Kaida und dem amerikanischen Imperialismus.

Ein Jahrzehnt lang hat die US-Regierung unter Bush und jetzt Obama die terroristischen Aktionen Al Kaidas und deren angeblicher Unterstützer als Vorwand für eine Militärintervention nach der anderen in der moslemischen Welt benutzt - Afghanistan, Irak, Pakistan, Somalia, Jemen, den Philippinen, Indonesien und jetzt Libyen.

Schon seit langem gab es Grund, die Geschichte vom "Krieg gegen den Terror" zu bezweifeln, nicht zuletzt die Tatsache, dass Al Kaida in Wahrheit von der CIA gegründet wurde, vermittels ihrer Aktivitäten, in den 1980er Jahren radikale Islamisten zu rekrutieren und dazu zu bewegen, nach Afghanistan zu gehen und sich den Mujaheddin-Kämpfern anzuschließen, die dort die Sowjetarmee bekämpften. Viele der Selbstmord-Flugzeugentführer des 9.11. waren der CIA als Al Kaida-Kämpfer bekannt, in manchen Fällen standen sie unter aktiver Überwachung, aber nichtsdestotrotz wurde ihnen erlaubt, ins Land einzureisen, ein Training an US-Flugschulen zu erhalten und terroristische Angriffe auszuführen.

Ein Vorfall während einer Anhörung vor dem House Armed Services Committee (Kontollgremium des US-Repräsentantenhauses für die Streitkräfte und das Energieministerium, Anm. d. Übers.) zeigt die Empfindlichkeit der US-Regierung hinsichtlich der Verbindungen zwischen US-Geheimdiensten und Al Kaida. Der demokratische Kongressabgeordnete Brad Sherman befragte einen Zeugen, den stellvertretenden Außenminister James Steinberg, zur Rolle von Abdel Hakim al-Hasady. Steinberg weigerte sich, die Angelegenheit zu erörtern, wobei er darauf hinwies, dass dies nur in einer Sitzung hinter verschlossenen Türen geschehen könne, bei der verdeckte Operationen der USA regelmäßig überprüft würden.

 

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