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27. Februar 2011 7 27 /02 /Februar /2011 21:26

Heutzutage muß man ja in vierlerlei Hinsicht umdenken. Zum Beispiel diese Liebe von CDU- und FDP-PolitikerInnen zu Revolutionen. Ich wußte nicht, dass unsere Bundeskanzlerin geradezu Expertin in Sachen Revolution ist. So war ihre „Revolutionserfahrung“ bei der Sicherheitskonferenz am 5. Februar, wo es noch um Ägypten ging, gefragt. Wir müssen umdenken, rumort es in mir. Und suche flugs nach den Stichworten „Novemberrevolution“ und CDU. Zur Erinnerung:

(Text aus http://www.novemberrevolution.de/)

Mitten im Zweiten Weltkrieg, der für das damaligen Deutsche Reich schon verloren war. Die Seekriegsleitung wollte, nachdem sie schon in den letzten Monaten nicht mehr am Kampf des Vaterlandes hatte teilhaben können, nun nicht völlig ehrenlos durch einen Waffenstillstand endgültig kampfunfähig gemacht werden. Wenn, dann wollte man in einem letzten tapferen Einsatz gegen die englische Flotte sterben.
Doch die Matrosen erkannten die Sinnlosigkeit eines solchen Gefechts und jetzt, wo der Frieden schon so greifbar nah war, wollte man sein Leben nicht mehr für den Ruhm der Seekriegsleitung und der "stählernen deutsche Flotte" opfern.
So wurde schon beim Zusammenzug der Flotte ab dem 28.Oktober 1918 Widerstand geleistet. Viele der Matrosen erschienen nicht mehr zum Dienst und desertierten oder sie zögerten die Ausfahrt hinaus. Die Matrosen des Kreuzers "Straßburg" machten sogar den Versuch ihr Schiff zu versenken. Auf der "König" wurde ein Soldatenrat gebildet, der über Gegenmaßnahmen beraten sollte und auf der "Markgraf" kam es massenweise zu Befehlsverweigerungen. Doch all diese Widerstrebungen konnten noch von den Offizieren unterdrückt werden.

Am 30.Oktober 1919 wurde der inzwischen versammelten Flotte der Befehl zum Auslaufen gegeben. Ziel sollte die Themsemündung sein.
Nun brach der Widerstand der Mannschaften offen aus: die Matrosen der Großkampfschiffe "Thüringen", "Helgoland" und "Markgraf" weigerten sich die Anker zu liften und versperrten so den anderen Schiffen die Hafenausfahrt. Man setzte Torpedoboote gegen die Aufständischen ein und verhaftete über 1000 der meuternden Matrosen und brachte sie in die Marinegefängnisse in Kiel. Die anderen Matrosen zeigten sich solidarisch, immerhin hatten die Meuterer sie vor dem sicheren Tod bewahrt.
Vertrauensmänner wurden gewählt, die nach ihrer Beratung am 1.November im Kieler Gewerkschaftshaus die Forderung an die Marineoffiziere stellten, die Gefangenen freizulassen. Doch die Offiziere gingen nicht darauf ein und lehnten jede Verhandlungen strickt ab. Stattdessen erließen sie ein Verbot die Kasernen zu verlassen und befahlen der Marineinfanterie für Ruhe zu sorgen. So hoffte man, könnte das Auslaufen, wenn auch mit Verzögerung, doch noch erfolgen.

Aber es kam anders: am 2.November weigerte sich die Infanterie gegen die meuternden Soldaten vorzugehen, wodurch den Offizieren ihr wichtigstes Druckmittel verloren ging. Bei einer erneuten Versammlung der Vertrauensmänner, diesmal auf dem Kieler Exerzierplatz, erklärten sich die Werftarbeiter bereit den Aufstand zu unterstützen; die Bewegung erhielt eine andere Dimension.
Diese sollte sich noch am folgenden Tag ausweiten: nach der durch Karl Artelt eröffneten Massenkundgebung, auf der erneut die Freilassung der Gefangenen gefordert wurde, setzte sich ein Demonstrationszug aus Matrosen und Werftarbeitern in Richtung Marineanstalt, wo die Gefangenen inhaftiert waren, in Bewegung. Auf dem Weg durch die Kieler Innenstadt schlossen sich ihm weitere Soldaten an. Nachdem eine Postenkette das Feuer auf den Zug eröffnet hatte, gab es acht Tote und 29 Verletzte.
Dies führte am 4.November zum bewaffneten Aufstand gegen die Offiziersherrschaft. Am Morgen wurden auf den Schiffen Soldatenräte gebildet, die das weitere Vorgehen organisieren und planen sollten.
Auch die Arbeiter gingen einen ähnlichen Weg: bei einem Treffen der Vertrauens- und Obleute aus den Betrieben im Gewerkschaftshaus wählte man einen Arbeiterrat, der sich aus SPD- und USPD-Anhängern zusammensetzte und rief zum Generalstreik auf.
Unterdessen wurden weitere Truppen auf Befehl der Regierung nach Kiel delegiert, die die Stadt abriegeln sollten, um eine Ausbreitung der Bewegung zu verhindern. Doch diese verbündeten sich mit den Aufständischen. So erklärte sogar der Gouverneur von Kiel, Admiral Souchon, sich bereit, eine Delegation der Arbeiter- und Soldatenräte zu empfangen. Souchons einzige Möglichkeit bestand nun darin, Zeit zu gewinnen, auf dass ihm von der OHL oder aus Berlin zuverlässigere Truppen geschickt werden würden um den Aufstand niederzuschlagen.
Am Abend des 4.November 1918 waren alle militärischen und öffentlichen Gebäude der Stadt durch die 40.000 meuternden Matrosen besetzt und Kiel so in ihrer Hand. Auch war es gelungen die inhaftierten Kameraden zu befreien. Es wurde ein gemeinsamer Soldatenrat aus den Räten der einzelnen Schiffe gebildet, der die Kontrolle über die Verwaltung und die Lebensmittelverteilung übernahm und noch am gleichen Abend die so genannten "14 Kieler Forderungen" an die Militärführung stellte.

Die revolutionäre Bewegung hatte sich durch die Kieler Soldaten bereits auf ganz Norddeutschland ausgebreitet. Nachdem am 5.November die "roten Matrosen" in Lübeck eingetroffen waren, waren die dort stationierten Garnisonen sofort übergelaufen und hatten gemeinsam mit den Matrosen am Abend bereits die Hauptpost, das Telegrafenamt und den Bahnhof besetzt. Am nächsten Tag folgte der Generalstreik. Ähnlich war der Verlauf in Wilhelmshaven am 6.November: nachdem die Wachposten an den militärischen Gebäuden von den Matrosen überwältigt worden waren und sich diese bewaffnet hatten, führten sie einen Demonstrationszug von 10.000 Menschen durch die Stadt an, dem sich unterwegs die Werftarbeiter anschlossen. Man konnte die Inhaftierten aus den Gefängnissen befreien, da die Infanterie aus Oldenburg, die zum Schutz der Stadt abkommandiert war, den Befehl verweigerte. Am frühen Nachmittag wurde ein Arbeiterrat gewählt, der sich mit dem bereits bestehenden Soldatenrat vereinigte. Gemeinsam wurde ein Ausschuss bestehend aus 21 Mitgliedern - der "21er-Rat" - bestimmt, der die oberste Exekutivgewalt ab jetzt innehatte. Dieser setzte am 10.November den Großherzog von Oldenburg ab und rief die "sozialistische Republik Oldenburg" aus.
Dieser "lokale Ausbruch" breitete sich innerhalb kürzester Zeit auf das ganze Deutsche Reich aus. Am 7.November waren Hannover, Köln und Braunschweig in den Händen der Revolutionäre. Am gleichen Tag wurden in München die Wittelsbacher gestürzt. Gleiches geschah den Fürsten in Sachsen, Franken und Hessen am folgenden Tag.
Das Bild in den Städten war meist das gleiche: den angereisten Matrosen aus Kiel schlossen sich bei den Demonstrationen weitere Arbeiter und Soldaten an. Man bewaffnete sich bei dem Sturm auf Kasernen und Polizeistationen. Öffentliche Gebäude wurden besetzt und Gefangene befreit, der Generalstreik ausgerufen und Räte gewählt, denen die Exekutivgewalt zugesprochen wurde. Anschließend zogen die Matrosen zur nächsten Stadt um ihre "revolutionäre Botschaft zu verkünden".

Vielleicht, so überlegte ich, habe ich ganz falsch über die CDU gedacht, vielleicht ist sie ja eigentlich eine revolutionäre Partei?

Bald wurde ich leider bitter enttäuscht: Kein Platz für Geschichte: Kieler CDU möchte Bahnhofsplatz nicht umbenannt wissen. Ich war am Boden zerstört. Schon hatte ich mir Hoffnungen gemacht, wo doch allerortens soviel von Revolution geredet wird und da möchte die CDU nicht mal so einen Bahnhofsvorplatz nach dem Beginn dieser so berühmten Revolution der Weltgeschichte umbenennen?

Nun kann es ja sein, dass man lieber die Revolution woanders sieht, die aktuellen sind ja auch jottwede. Vielleicht schlägt das Herz der CDU vor allem für Revolutionen WOANDERS? Wie ist es denn mit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution?

Am 07.November 1917 vollzog das Petrograder Proletariat den Angriff auf das zaristische Winterpalais. Dieser Tag sollte der erste Versuch eines ganzen Landes sein die Eigentumsverhältnisse zu Gunsten der Bevölkerung umzukehren! Fabriken den Arbeitern, das Land den Bauern und Frieden, waren die Losungen. War nicht einer von denen, die damals den Arbeitern und Bauern den inhaltlichen Hintergrund geliefert, hat ein gewisser Wladimir Iljitsch Lenin?

Im Sommer 1917 schrieb er, damals im Exil: "Die Partei des Proletariats kann sich nicht beschränken auf die bürgerlich-parlamentarische demokratische Republik... Die Partei kämpft für eine Republik, die demokratischer ist, für eine proletarisch bäuerliche Republik, in der die Polizei und das stehende Herr völlig beseitigt sind und durch die allgemeine Bewaffnung des Volkes, die allgemeine Miliz, ersetzt werden, alle beamteten Personen werden nicht nur gewählt sondern sind auch jederzeit absetzbar; die Besoldung aller beamteten Personen ohne Ausnahme wird in einer Höhe festgesetzt, die den Durchschnittslohn eines qualifizierten Arbeiters nicht übersteigt; die parlamentarischen Vertretungskörperschaften werden nach und nach ersetzt durch Räte der Vertreter des Volkes (der verschiedenen Klassen und Berufe oder der verschiedenen Orte), die gesetzgebend und gesetzvollziehend zur gleichen Zeit sind." Hatten nicht die Revolutionäre mit dem Ruf „Alle Macht den Sowjets?“, also den Arbeiter- und Bauernräten, die bürgerliche Kerenski-Regierung beiseitegefegt?

Dann kann es ja sein, dass die CDU, deren Chefin ja Expertin für Revolutionen ist, den Lenin auch gut findet, wenn sie Revolutionen am liebsten woanders sieht.

Wie groß war der Schmerz, als ich Gegenteiliges fand: Gegen den Widerstand von Anwohnern, die Unterschriften für einen Erhalt der Lenin-Statue sammelten, strich der Berliner Stadtentwicklungssenator Volker Hassemer (CDU) im Oktober 1991 das Lenin-Monument von der Liste der geschützten Denkmäler. Zur Begründung seiner Entscheidung meinte Hassemer, das Denkmal stehe für Personenkult und Unterwerfung unter einer Diktatur.

Revolutionen findet die CDU eigentlich gar nicht gut. Vielleicht will man auch etwas ganz anderes? Zum Beispiel ein Land, wie heute Libyen, solange destabilsieren helfen, indem man medial hetzt und einen Bürgerkrieg anheizt?. Wie ein anderer, berühmter Revolutionär, Fidel Castro, schreibt: Ein Totentanz des Zynismus? Damit der Reichtum des Landes, das Land selber, unter Kontrolle derer ist, die sich eigentlich eher für KONTERREVOLUTIONEN begeistern?

 

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